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Die Bevölkerung des Gebietes, welches zu unserer Gemeinde Ahuano gehört, besteht aus Indios und Colonos.
Colonos sind Menschen, die entweder Mestizen oder Weisse sind, d. h., die erst seit wenigen Jahren hier wohnen. Colono (Kolonisierer) ist ein ehrbares Won.
Schwieriger ist es dagegen mit den Indios. Es gibt für sie verschiedene Bezeichnungen, und keine einzige ist universell 'salonfähig'. Indio wird von vielen als Schimpfwort empfunden. Colonos hört man manchmal zu ihren Kindern sagen: ,Wasch dich, du siehst ja aus wie ein Indio'. Moderne Indios (die aus der Stadt, die auch noch politisch engagiert sind) dagegen versuchen stolz auf das Wort zu sein. f Indigena' heisst einheimisch, ,nativo' heisst hier geboren, doch es gibt auch junge Colonos die hier geboren sind und sich als solche bezeichnen. ,Quichua' schien mir ein Ausweg aus dem Dilemma, aber auch das Wort hat seine Gegner. Es ist nicht einfach, in einem doch sehr rassistischem Umfeld das Kind beim Namen zu nennen. Sogar 'aborigenes' als Bezeichnung kommt vor, obwohl für mich solche doch eher in Australien zuhause sind.
Persönlich habe ich mich für ,Quichua' entschieden.
Wer sind die Quichuas, und woher kommen sie?
Quichua ist in Ecuador die Bezeichnung für die Sprache, die anderswo Quechua heisst. Quechua wird nicht nur im Oriente, also im Regenwald gesprochen, sondern auch in den Anden. Der Unterschied zwischen den zwei Formen ist aber gross.
Die 'Quichuas del Oriente' sind die zahlreichsten der 6 Indio Nationalitäten des Amazonasteils Ecuadors. Je nach Ouelle gibt es nund 60'000 Quichuas.
Sie sind entstanden aus der Verschmelzung von verschiedenen Indiogruppierungen vom Fuss der Anden und von tiefer im Regenwald. Diese Völker waren oft zu klein, um selbständig zu bleiben und haben ihre ursprüngliche Sprache aufgegeben. Es erstaunt, wie wenig über den Urspnung der Quichuas bekannt ist und wieviel Widersprüchliches darüber geschrieben wurde.
Wie leben die Quichuas heute? Die meisten leben noch wie früher am Lauf der Flusse, bebauen den Alluvialboden mit Mischkulturen und jagen im
Regenwald auf den Lehmhügeln, welche fast nie gerodet wurden, da sie weniger fruchtbar sind. Die Quichuas sind oft in Verbänden von 20-60
Familien organisiert. Das Zentrum bilden heutzutage die Primarschule und ein Versammlungshaus. Manche Kinder haben einen Schulweg von mehr als einer Stunde, da die Familien verstreut leben. Auch heute noch sind sie nur ungern sesshaft. Die meisten Familien hier in Ahuano haben 24 Wohnsitze und ziehen regelmässig um.
Die Familien sind extrem kinderreich, 8-12 Kinder sind die Regel. Remigios Mutter z. B. hat 17 Kinder geboren. Wenn eine Familie "nur" 4-6
Kinder hat, kann man davon ausgehen, dass sie keine eigenen Kinder zeugen konnten und anderen Familien ihnen aus Mitleid Kinder geschenkt haben. Diese Bevölkerungsexplosion ist ein grosses Problem, welches die Quichuas aber nur langsam erkennen. Die katholische Kirche ist sehr einflussreich und akzeptiert keine Geburtenkontrolle.
Auch die Quichuas brauchen Geld, speziell für Schuluniformen, Bücher und wenn jemand krank wird. Sie bauen Mais an, sowie Kaffee und Kakao zum Verkauf. Es sind meist nur die unverheirateten Burschen (14-20 Jahre alt), welche ausser Haus um Lohn arbeiten.
Die Quichuas in der Stadt (in Tena und Archidona) geben sich oft sehr zivilisiert, vor allem, wenn sie die Verwandschaft im Wald besuchen. Da wind oft betont Spanisch gesprochen, die Männer tragen Sonnenbrillen und die Frauen Lippenstift oder gar Dauerwellen.
Die Quichuas del Oriente sind nun schon seit rund 300 Jahren im Kontakt mit den Weissen. Sie haben ihre ursprüngliche Kleidung aufgegeben. Auf den ersten Blick sind sie deshalb vielleicht nicht so spannend und enttäuschen so manchen Touristen. Sie haben aber ihre Vision der Welt behalten, ihre Sitten, ihre Sprache, die Benutzung von Medizinalpflanzen, den Schamanismus. Sie leben in verschiedenen Welten gleichzeitig und sind dadurch geistig extrem flexibel. Sie wissen, was man von ihnen erwartet, doch tief in ihrem Inneren siegt ihre Kultur. Es ist schwer, die Eindrücke, die ich in den letzten Jahren von den Quichuas sammeln durfte, in wenigen Zeilen zusammenzufassen. Am Besten lässt es sich vielleicht durch ein paar Beispiele verdeutlichen:
Nach zwei Tagen Marsch durch den Wald Richtung Osten waren wir auf einem recht hohen Berg angelangt, von dem aus man weit weg ein Plateau erblicken konnte. Da würde ich gerne hin, sagte ich zu Remigio. Nein, meinte er, völlig unmöglich, dort treffen sich Himmel und Erde und die Welt ist zu Ende. Ja, wo denn seiner Meinung nach Europa sei, fragte ich etwas verblüfft. Das ist etwas anderes, meinte er, hier ist und war schon immer die Welt zu Ende, das wisse jeder Quichua. Vor acht Jahren ging ich anders mit solchen Meinungen um als jetzt, und ich insistierte, dass er doch sicher in der Schule gelernt hätte, dass die Erde rund sei. Klar, antwortete er, der Lehrer als Colono behaupte das, aber für die Menschen hier sei die Erde eben anders. Fazit: kleine Quichuas sagen in der Schule, dass die Erde rund ist, weil das so erwartet wird, aber sie denken, dass die Erde flach sei.
Es gibt unzählige Geschichten, mit denen man sich unterhält, wenn die ganze Familie beieinander sitzt. Sie werden jedoch nicht als Märchen aufgefasst, das heisst als etwas, das nicht wahr ist, sondem als etwas, das wirklich passiert ist, vielleicht in einer anderen Weit oder Dimension, oder zu einem anderen Zeitpunkt, und aus dem man Lehren ziehen sollte.
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