18. Januar
Einkaufstour in Tena. Die Einkaufsliste:
Wasserkrug
Ankeschäli
Kleiderbügel
Kochherd
Durchlauferhitzer
Leintuch
Detan
Seil
Stöpsel
Medikamente für die Lehrer

Um 7 Uhr fahre ich mit dem Kanu zum Barantilla, wo bereits das Taxi wartet. In einer Stunde sind wir in Tena. Ich habe geplant, um 11 Uhr mit Einkaufen fertig zu sein...
Als erstes suchen wir einen Kochherd. Ich rechne so mit max. 150 $. Im ersten Laden gibt es einen für 185$ und einen Durchlauferhitzer 20 lt für 190 $. Das ist mir beides zu teuer. Wir suchen weiter. Durchlauferhitzer finden wir noch drei, 7 lt für 160 $, 20 lt für 220 $ und 20 lt für 240 $. Boah! Ich lasse das Taxi fahren und erhole mich erst mal bei einem Toast und Eistee bei Lisbeth. Dann spaziere ich zur Bilingüe und schaue mir unterwegs die Kochherde an: 198 $, 220 $, 200 $, .... Boah!
Wenigstens kann ich unterwegs einen Stöpsel fürs Bad für 4 $ erstehen ;-). In der oberen Hauptstrasse finde ich sogar alle Medis, die mir die Lehrer aufgeschrieben haben und das Detan (Insektenmittel) - immerhin. Derweilen ist es schon 10 Uhr - und ich habe noch fast nichts von meiner Liste gestrichen! In der Bilingüe freuen sich die Supervisores mich zu sehen, denn sie warten schon lange auf die versprochenen Kameras. Ich habe aber nur ein Modell mitgebracht, das ich der Sekretärin gebe, die andern bringe ich am Donnerstag, wenn sie mir gleich das Geld dafür geben. Die Sekretärin meint dann, ich solle noch schnell mit dem Direktor sprechen. Der hat aber noch grad Leute bei sich und ich muss warten, warten, warten. Um 10.30 sage ich, ich werde im Dorf erwartet und will gehen. Doch die Sekretärin hält mich zurück. Ich muss unbedingt noch mit dem Direktor sprechen! Also warte ich weiter. Endlich hat er Zeit. Er besieht sich die Kamera - und ist gar nicht zufrieden. Ich habe zwar sehr gute Apparate mitgebracht, aber alle mit 12 Megapixel - und er hat doch ausdrücklich gesagt, die seine müsse mehr haben als alle andern! ;-) Ich erkläre ihm, dass ich keine grösseren gefunden habe (das stimmt sogar), aber er behauptet, er hätte in Quito welche mit 13 gesehen. Nun ja, soll er sie halt in Quito kaufen. Dann sagt er mir doch tatsächlich, dass ich, wenn es in der Schweiz keine grösseren hätte, wenigstens allen andern eine mit 10 hätte kaufen sollen, denn er als Direktor müsse eine bessere Kamera haben als seine Untergebenen! (Das ist so ein Witz, denn er ist nicht Direktor wegen seiner Fähigkeiten, sondern es gibt, wie bei uns im Bundesrat, einen Turnus, nachdem alle drei Jahre ein anderer Inspektor Direktor wird. Er ist also nichts "besseres".) Nun ja, jetzt muss er halt damit leben....
Endlich kann ich gehen :-). Auf dem Weg ins Dorf runter kaufe ich den Wasserkrug und das Ankeschäli und sehe mir noch weitere Kochherde an. Ach ja - ins Internet muss ich auch noch! Auf dem Weg nach Tena hat mich ein SMS aus Burgistein erreicht, dass ich vergessen hätte, die neuen Stundenpläne da zu lassen! Au weh, das ist natürlich wichtig! Zum Glück bin ich heute noch in Tena, denn am Donnerstag wäre es bereits zu spät gewesen.... Da erlebe ich aber eine böse Überraschung. Ich finde kein Internetcafe mehr, in dem ich mit dem eigenen Compi ins Netz kann. Die Zwei, bei denen das problemlos möglich war, gibt es nicht mehr. Zum Glück fällt mir ein, dass ich im Hotel, in dem wir am Wochenende waren, fragen könnte, ob ich kurz ins Netz kann, auch wenn ich momentan kein Gast bin. Natürlich geht das :-)! Sogar gratis.
Nachdem ich die dringenden Sachen abgeschickt habe, besuche ich noch einen letzten Herdladen - obwohl ich bei dem eigentlich nichts kaufen will, weil er uns letztes Jahr mit einem Muni (er ist auch noch Viehhändler) betrogen hat. Aber dummerweise macht der mir grad das beste Angebot, zwar auch 195 $, aber für einen qualitativ sehr guten und vor allem rostfreien Herd. Den werde ich wohl nehmen....
Aber zuerst muss ich mich bei Lisbeth erholen :-). Ich bestelle das Taxi auf 12.30 und esse gemütlich z'Mittag. Lustigerweise ist auch Lorenz wieder hier - und diesmal mit seiner Freundin Katrin, die diese Woche im Amazoonico anfängt und bis letzten August die Nachbarin von Fränzi war. Sehr interessant, wie klein die Welt doch ist! Um 12.30 ruft mich der Chauffeur an, das Auto sei eben kaputt gegangen, es dauere ein Weilchen, bis es geflickt sei.... Tja, plaudern wir halt ein bisschen länger - und Sigi muss im Barantilla warten.
Um 13.15 kommt das Taxi endlich. Nun kurven wir in der Stadt rum und sammeln alles Fehlende noch ein. Bei Martinez kaufen wir den Kochherd, beim Banco Pichincha fülle ich mein Portemonnaie wieder, bei der Fereteria, bei der wir zuerst waren, kaufen wir noch den Durchlauferhitzer (für 190 $), Kleiderbügel, Pfannen und ein Seil. Um 14.50 verlassen wir vollbepackt Tena.
Sigi ist derweilen bei Victor auf der Ranch und schaut sich die Kühe und alle sonstigen Neuerungen an. Er erwartet uns eigentlich um 14 Uhr, aber auch er ist warten hier gewohnt :-). Als wir um 14.30 ankommen, sitzen die zwei grad bei einem kühlen Bier. Wir tauschen kurz die News aus und bringen dann den ganzen Einkauf zum Fluss runter. Wir fragen Maritza, ob sie unsern alten Kochherd, bei dem nur eine Feuerstelle kaputt ist, haben will. Das möchte sie sehr gerne! Alle Kinder helfen uns, die schweren Sachen zum Haus hoch zu tragen. Hier oben gibt es erneut eine Überraschung: Michi ist mit seinem Bautrupp angerückt und sie haben vor dem Haus bereits alle gefährlichen Bäume umgehauen und den Hang gerodet, so dass man den Fluss wieder sehen kann. Im Haus drinnen hat Noteno, der Schreiner, den Boden geflickt und Yessi und Mica haben alle "Fenster" geputzt! Victor und Maritza nehmen den alten Herd raus und installieren den neuen, Michi und Noteno montieren den neuen Durchlauferhitzer - eine knappe Stunde später ist alles Neue installiert und das haus und die Umgebung blitzblank gemacht. Die Lehrer, die uns abends noch kurz besuchen, können ob so viel Effizienz nur staunen! :-)

19. Januar
Am Morgen besuchen wir die Schule. Es herrscht eine entspannte, zufriedene Atmosphäre und vor allem die ältesten Kinder arbeiten sehr eifrig in den jeweiligen Fächern. Die Kleineren sind etwas unruhiger, aber das ist normal, wenn Besuch kommt :-). Der Kindergarten hat nur vier Kinder, und auch die sind fleissig am Basteln. Ich bekomme einen ersten Eindruck von David, der mit einer Klasse Blumen webt. Er scheint sehr nett zu sein und kann offenbar auch mit den kleineren Kindern gut umgehen. Leticia arbeitet am Tisch vor den Zimmern, und bei ihr sieht es nach typisch ecuadorianischem Unterricht aus = die Kinder schreiben etwas und sie sitzt da und schaut sich die Gegend an. Zudem hat sie ein kleines Kind bei sich...! In der Pause frage ich, wer das ist. Ach, das ist ihre kleine Tochter, die sie ab und zu (eigentlich immer) mitnimmt. (Ich weiss davon, denn die Lehrer haben sich schon bei mir beschwert, ihr auch gesagt, dass das nicht geht, aber was sollen sie tun, wenn sie immer wieder mit der Kleinen da steht? Normalerweise bringt sie sie einfach in den Kindergarten, aber dort bleibt sie nur, bis es ihr verleidet, dann läuft sie zu ihrer Mama.) In der Pause erkläre ich der Mutter klipp und klar, dass sie zwei Möglichkeiten hat. Entweder, sie lässt die Kleine zuhause - oder sie bringt sie mit und das Kind geht in den Kindergarten. Dafür muss sie mir aber pro Monat 60$ zahlen, so wie alle andern Kinder auch, die hier zur schule gehen. Und wenn sie hier ist, dann MUSS sie im KG sein. Es geht nicht, dass sie dann zu ihrer Mutter läuft. Diese ist nämlich zum Arbeiten hier angestellt und nicht um ihr eigenes Kind zu hüten. Falls sie die Tochter also weiterhin mitnimmt, so ziehen wir ihr die 60$ vom Lohn ab. Ui, das fährt ihr ein! ;-)
Dann kommt Käty noch mit einer anderen Nachricht. Leticia macht ja eigentlich alle Papierarbeit für und mit der Bilingüe. Nun ist sie heute Morgen mit einem dreiseitigen Brief gekommen, den sie abgetippt haben will. Sie muss ihn unbedingt heute Nachmittag zur Bilingüe bringen. Käty ist total sauer, denn natürlich kann niemand während der Schulzeit diesen Brief schreiben und die Bilingüe fordert immer wieder solche dringenden Papiere von Heute auf Morgen ein. Leticia besteht darauf, dass es unbedingt heute geschrieben werden müsse! Ich erkläre ihr, sie dürfe von der Bilingüe nichts mehr annehmen, was so kurzfristig zu erledigen sei, da unsere Lehrer während der Schulzeit unterrichten und nicht Büroarbeit machen. Ich bin aber bereit, dieses Papier abzutippen. Ich denke, ich hab das in einer halben Stunde gemacht. Wie ich dann zuhause den Text durchlese, merke ich, dass dies der Arbeitsvertrag von Leticia ist, resp. unser Antrag an die Bilingüe, sie noch länger bei uns beschäftigen zu dürfen! Naja, das ist wohl unumgänglich, aber in den Arbeitsaufträgen stehen einige Sachen, die ich so nicht unterschreiben möchte. Ich hole Isabel, die ecuadorianische Tierärztin, und sie hilft mir, den Text gänzlich zu verstehen und auch, einige Sätze abzuändern oder neu zu formulieren. Das dauert dann doch seine Zeit. Als ich das neue, ausgedruckte Papier an Leticia übergebe, hat sie gar keine so grosse Freude dran... ;-) (Wenn ich mal viel Strom und Zeit habe, werde ich den Text hier übersetzen, damit ihr sehen könnt, wie so ein Schreiben in Ecuador aussieht...

Am Nachmittag fahren wir in die Casa del Suizo. Wir möchten Sigis Geburtstagsfeier anmelden - bis jetzt haben wir 24 Leute eingeladen - und dann hängen wir noch ein paar Stunden am Pool rum - sünnele, bädele. Piña Colada schlürfeln :-).
Um 16.30 holt uns Victor ab - und kaum 100m unter Ahuano kommen wir in einen gewaltigen Tropenregen. Nur ganz langsam fahren wir weiter, damit das Regenwasser nicht zu sehr unter die Bootsabdeckung spritzt. Aber dennoch sind wir klitschnass, als wir zuhause ankommen. Im Haus nehmen wir sofort eine heisse Dusche (was ja seid gestern wieder möglich ist) und ziehen uns trocken an. Damit ist der "Schaden" schon behoben. Es ist schon jedes Mal eindrücklich, wie viel Wasser da in kürzester Zeit runter kommt - vor allem, wenn man grad draussen steht!
Um 17.30 Uhr beginne ich schon, das Abendessen zuzubereiten. Joelle und Michi kommen zu Besuch und ich möchte sie mit ein paar speziellen Sachen überraschen :-). Eine Stunde später trudeln sie ein. Zuerst gibt es Apérohäppchen: Brötchen (natürlich selbst gebacken), die einen pizzaähnlich, die andern mit Käse und Schinken überbacken. Der Hauptgang ist dann Sigis Lieblingsmenu: Teigwaren (Kravättli) mit Pfeffersauce, Salat (Eisberg, Tomate, Gurke) und als Überraschung - Filet im Teig. Mmmhhh, das liege ich bei den Dreien richtig! Alles wird stübis und rübis aufgegessen und auch das Dessert, Vanille/Schokocreme mit Schokobrownies wird weggeputzt. Wir plaudern natürlich viel, und dabei bietet uns Michi an, dass wir mit ihm morgen nach Tena fahren könnten. Wir haben das zwar erst auf den Donnerstag geplant, aber eine Gratisfahrt lassen wir uns nicht entgehen :-). Darum der Bericht auch schon heute.

Au ja, eine kleine Nacht-Geschichte. Sigi und ich schlafen seelig, plötzlich sticht mich etwas in die Hand. Autsch! Im Halbschlaf zerquetsche ich die "Mosquito" - eigentlich hat es bei uns im Haus keine Stechfliegen.... Zehn Sekunden später: Autsch, schon wieder eine! Langsam erwache ich.... Auaaaaa - ganz viele Mosquitos!!! Ich zünde die Taschenlampe an: Auf meinem Kopfkissen hat sich ein Ameisenhaufen gebildet! Jetzt ist auch Sigi wach, schaut die Ameisen an und sagt: "Gott sei Dank! Ich habe schon gedacht, ich hätte Läuse!" Von dem Ameisengewimmel auf meinem Kopfkissen aus geht eine Ameisenstrasse direkt über Sigis Kopfkissen. Also beginnen wir um 1 Uhr morgens eine grosse Ameisenvernichtungsaktion. Eine Viertelstunde später können wir zwar wieder ruhig schlafen, nur stinkt das ganze Zimmer nach Insektengift...

Das nächste Lebenszeichen werdet ihr wohl erst am Montag sehen, den am Wochenende sind wir ja in der Casa del Suizo....

Allfällige Geburtstagswünsche für Sigi bitte als SMS auf mein Handy: 0041 79 410 32 49

20. Januar
Tja, jetzt habt ihr schon lange nichts mehr gelesen. Aber alles der Reihe nach...
Am Donnerstag fahren wir also nach Tena. Ich gehe zur Bilingüe, Sigi nimmt ein Taxi nach Archidona, wo er Michel, einen Bauern, der uns schön öfters Kühe verkauft hat, zu finden hofft.
In der Bilingüe habe ich meinen Besuch zwar auf heute angekündigt, trotzdem ist man seeeehr erstaunt, dass ich schon hier bin! ;-) Natürlich hat noch keiner das Geld für die Kamera hinterlegt. Nur die Sekretärin zahlt mir die ihre. Wir kommen überein, dass ich ihr alle Apparate da lasse, sie sie verkauft und ich das Geld am Montag holen komme. Der Direktor ist heute nicht da - ist mir zwar recht, den mag ich sowieso nicht so gern. Dafür kann ich mit einem andern Mann sprechen, der für die Legalisation zuständig ist. Auf meine Frage, warum es denn da so gar nicht vorwärts gehe, obwohl sie mir letztes Jahr versprochen hätten, es sei alles in Ordnung und sie hätten alle Papiere, meint er, sie hätten sich noch einmal bei mir persönlich vergewissern wollen, dass ich nach der Legalisierung immer noch mit ihnen kooperiere und mich nicht mit dem Papier in der Tasche "selbständig" mache! Das ist nun wirklich aus der Luft geholt! Ich kann ja ohne sie gar nicht.... Also ich bestätige ihnen das noch mal persönlich - und nun ist er bereit, die siebte Klasse zu legalisieren. Ich erkläre ihm, ich bräuchte aber die Anerkennung bis zur 9. Klasse. Nein, nein, dieses Jahr die 7., nächstes Jahr die 8. und übernächstes Jahr die 9. Klasse! Wir reden eine ganze Weile aneinander vorbei, bis ich begreife, wo das Problem liegt: Bis letztes Jahr war ja die obligatorische Schulpflicht für Indianerkinder nur sechs Jahre. Der neue Präsident hat diese jetzt auf neun Jahre, wie bei den Weiss-Ecuadorianern angehoben. Nun ist es so, dass es in diesem Jahr noch gar keine öffentliche Schule gibt, die eine achte oder neunte Klasse führen. Weil dieses Gesetz erst letztes Jahr in Kraft trat, gibt es dieses Jahr offiziell erst siebte Klassen - nur unsere Schule hat die Schüler länger behalten und damit auch eine achte und neunte Klasse. Wir sind also zwei Jahre zu früh dran - und jetzt ist es wirklich eine frage, ob die austretenden Neuntklässler bereits legale Abgangszeugnisse erhalten können oder nicht. Das wird noch einiges zu reden geben - aber wenigstens wissen wir jetzt, wo das Problem liegt... :-).
Im Laufe dieses Gesprächs wurde noch ein anderer Mann, Pedro, zugezogen, der mir erklärte, dass er neue Schulbücher für die Kichwa-Schulen schreibe. Er wollte mir das unbedingt noch zeigen. Das war sehr interessant. Wer sich nicht so für schulinterne Sachen interessiert, kann den nächsten Abschnitt überspringen...

Ich habe ja der öffentlichen Schule immer angekreidet, dass sie zwar einem Lehrplan folgen, die Sachen aber nur durchnehmen und sich nicht drum kümmern, ob die Kinder das Gehabte auch begriffen haben. Dem will die Erziehungsdirektion jetzt so entgegenwirken, dass sie die Bücher noch ausgeklügelter werden und nach jedem Kapitel eine "Checkliste" ist, wo der Lehrer ankreuzen muss, was die Kinder können und was nicht - und das Kind darf erst im Buch weiterfahren, wenn es alle Kästchen des vorherigen Kapitels gekreuzelt hat. Das soll sich dann durch die ganze Schulzeit durchziehen. Nach neun Jahren kommt man also nicht mehr mit dem "gehabten" Stoff der 9. Klasse aus der Schule, sondern mit dem Zeugnis: "Niveau 32 erreicht" (ich glaube, das ist das höchste) oder eben nur "Niveau 27" erreicht. Das bedeutet, dass jedes Kind in seinem Tempo durch die Schule geht - also Individualisierung total! Eigentlich eine gute Idee, aber dazu müssten die Lehrer geschult werden. Es ist eine riesige Herausforderung, 20 Kinder auf vielleicht 15 verschiedenen Niveaus zu unterrichten. Das werden die hier nicht können. Und um die Klasse auf dem gleichen "Niveau" zu haben, kreuzt dann der Lehrer wahrscheinlich doch einfach das "gehabt" an... Und noch eine andere lustige Neuerung (damit wären sie wohl einzig in der Welt): Die Kinder treten gleich einen Tag nach ihrem Geburtstag in die Schule ein. Ich würde also am 18. November zur Schule gehen, Sigi am 26. Januar, meine Mutter am 17. April ... also sie haben tatsächlich die totale Individualisierung vor! Das wird ja lustig werden :-)))

Ich seh mir also das Lehrbuch an und muss sagen, es ist wirklich gut gemacht, etwas aufreisserischer als ich das für nötig halten würde, aber für hiesige Verhältnisse sehr angepasst. Es gibt auch viele Bilder und Fotos drin, die direkt hier aus der Region sind, also den Kindern sehr nahe stehen. Ich erkläre Pedro, dass ich ihm für diese Arbeit eine der Kameras schenken würde, weil mir das Buch so gut gefalle. Der freut sich natürlich riesig und die andern Anwesenden im Raum klatschen fast Beifall. Wie sagt man: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft :-).

Nach etwa zwei Stunden spaziere ich wieder durchs Städtchen runter ins Cafe Tortuga. Dort wartet bereits Sigi auf mich. So früh hätte ich ihn nicht erwartet! Wahrscheinlich war Michel nicht zuhause.... Aber doch! Er erzählt, er sei mit dem Taxi vorgefahren und Michel hätte eben sauber gekleidet sein Haus verlassen, weil er nach Cotundo wollte. Er habe sich riesig gefreut, Sigi zu sehen. Ein Weilchen hätten sie geplaudert, dann hat Sigi ihm angeboten, gleich mit seinem Taxi nach Cotundo zu fahren. Dort findet am 30./31. Januar eine grosse Feria, ein Viehmarkt, statt. Die Zwei haben sich also den Aufbau der Stallungen und allem drum und dran angesehen und seinen dann wieder zurück nach Jumandy gefahren, wo Michel wohnt und dann nach Tena, wo Sigi dreiviertel Stunden auf mich warten musste. Aber wir haben uns ja wieder gefunden :-). Es dauert nur kurz, dann kommt Katrin daher, die Volontärin, die hier krank geworden ist, jetzt aber mit uns in den Amazoonico fahren will (ich hab ihr ja am Montag gesagt, sie soll am Mittwoch in der Tortuga nachfragen, ob wir in Tena seine...). Kurz darauf kommt Michi daher, der ganz begeistert ist, dass er bis zum Mittag seine ganze Einkaufliste abhaken konnte, mit Ausnahme der Abwaschbürsteli, die er nirgends in Tena finden konnte.
Jetzt bin ich im Zugzwang, denn ich müsste noch ins Internet um den Bericht bis zum 19. aufzuladen, aber ich habe nirgends ein Internetcafe gefunden, in dem ich mit dem eigenen PC aufs Netz kann - und wenn ich jetzt eins finde, so müssen alle andern auf mich warten. Aber da ich meine Leser nicht enttäuschen will :-), lasse ich sie natürlich warten. Tatsächlich findet Michi einen Laden, in dem ich einloggen darf. Ich beeile mich sehr. Wie ich wieder raus komme, bemerke ich, dass wir gleich neben dem Veterinärladen von Dr. Espin stehen. Victor hat ja seinen Schweinestall fertig gebaut, nur sagt er, er hätte für die Tränke keine Nippel gefunden. Die müsse man aus Quito kommen lassen. Ich frage die Frau Espin, wo man so Dinger bestellen könnte. Sie ist sehr erstaunt - und nimmt welche unter der Ladentheke hervor. Die hat sie hier an Lager.... Ich kaufe also drei Stück und zeige sie dem staunenden Sigi :-). Jetzt fehlen nur noch Michis Abwaschbürsteli ;-). Ich erzähle ihm von der riesigen Ferreteria (Eisenwarenladen), den mir der Taxichauffeur letztens gezeigt hat. Dort hat es bestimmt die Bürsteli. Er glaubt mir das nicht so richtig - und ich weiss nicht mehr, wo der Laden ist. Aber gutmütig fährt er Strässchen hoch und Strässchen runter, bis wir endlich ganz am Ausgang von Tena tatsächlich dieses Wunderding finden. Von aussen sieht es wie einer der kleinen Grümscheliläden aus, die es hier in Tena zu Hauf gibt, aber wenn man durch den ersten Teil durchgeht, eröffnet sich hinten ein Lager von der Grösse einer Turnhalle, in der alles gestapelt liegt, was Küche, Bad, Bauten, Matratzen, usw. angeht. Michi ist völlig von den Socken. Das ist das reinste Schlaraffenland für ihn :-). Er kauft fünf Abwaschbürsteli, findet dann noch Laubbesen, die es hier sonst nirgends gibt und noch weiteres Zeugs, das er schon lange möchte aber nie gefunden hat. Wir wollen hier noch Anschlüsse für die Tränkenippel kaufen - und siehe da, der Verkäufer zeigt uns, dass er auch drei verschiedene Versionen Nippel am Lager hätte! Beim Ausgang steht sogar noch ein Gas-Generator! So was habe ich noch nie gesehen. 450 $ und er erzeugt 2000 Watt - das ist wirklich günstig. Zudem ist das Gas hier billiger als Benzin und die Emissionen wären auch viel weniger. Vielleicht kauft er mal einen.
Glücklich und zufrieden fahren wir alle Vier dann dem Amazoonico zu. Das war wirklich ein guter Tag!

21. Januar
Ich komme mir vor wie in einem Auskunftsbüro.... Um 7 Uhr, als wir beim Frühstück sitzen, kommt Gonzales Borja, der Präsident des Elternrates, und will mit mir sprechen. Ich sage ich, er solle in einer Stunde wieder kommen. Kurz darauf kommt Herlinda, eine Mutter, und möchte mit mir sprechen. Ich sage, ich hätte keine Zeit. Nur ganz ganz schnell. Also gut... Sie will bei mir deponieren, dass die Mehrheit der Eltern die Lehrerin Leticia nicht mehr wolle. Die Kinder mögen sie nicht und sie fehle zu oft. Nur würde Borja sie mit allen Mitteln verteidigen und sie wolle mir nur sagen, dass die Eltern da anderer Meinung sind. Das ist gut zu wissen, denn ich will die ja auch nicht mehr...
Nach einer Stunde kommt Borja. Als erstes fragt er mich, wie ich die Lehrersituation finde. Ich erkläre ihm klipp und klar, dass ich den Vertrag mit Leticia nicht weiter verlängern würde, gleich, was die Eltern wollten. Ja, da sei er aber froh, denn das hätte er sich auch so gedacht! Ist ja lustig so was. Da sind sich alle einer Meinung, aber niemand traut sich das zu sagen, weil sie noch vor einem halben Jahr alle pro-Leticia waren. :-) Der zweite Punkt war, dass die Eltern einen neuen Schulraum wollen. Da blitzen sie bei mir ab. Ich will nicht mehr mehr bauen. Mit dem neuen wunderschönen Comedor hat die Schule wirklich alles, was sie braucht. Und er will noch eine Elternversammlung machen - die legen wir auf nächsten Donnerstag fest. Phuu, das war jetzt die Kurzfassung. Für all das braucht ein Borja zwei Stunden zum reden!
Am Nachmittag kommen die Lehrers um die aktuelle Schulsituation zu bereden. Das ist sehr interessant und wir sind grösstenteils gleicher Meinung. Die Vier machen auch eine ausgezeichnete Arbeit hier! Die Kinder sind sehr zufrieden und arbeiten gern und gut. Auch da reden wir ein paar Stunden, aber diesmal ist es sehr interessant und ich nehme mir gern die Zeit dafür.
Am Abend will ich Tagebuch schreiben - aber oh weh, der Computer will nicht mehr, d.h., ich kann ihn nicht mehr einschalten...

22. Januar
Unser erster echter Ferientag. Wir hängen ein bisschen in den Hängematten rum, essen, lesen, plaudern und ich übe mindestens zwei Stunden auf meinem Waldhörnchen. Nach dem Nachtessen liegen wir noch mal eine Stunde draussen in der Hängematte und singen zweistimmig alle möglichen Lieder :-).

23. Januar
Heute sollen die Muneli kastriert werden. Der Tierarzt ist auf 9 Uhr bestellt. Victor holt uns pünktlich um 8.45 ab. Wie wir im Barantilla ankommen, sind die Kühe aber noch auf der Weide. Sigi nervt sich ziemlich, denn es ist wirklich dumm, wenn der Tierarzt da ist und warten muss. Zudem wollen wir ihm ja vor dem Mittag noch den Amazoonico zeigen. Aber um 9.30 sind die Kühe im Coral und der Tierarzt noch immer nicht da.... ecuadorianisch eben. Um 10 Uhr läuft er ein, erklärt aber gleich, dass er am selben Tag noch nach Quito müsse und nicht zu Sigis Geburifeier kommen könne. Da ist nun wirklich blöd, denn extra wegen ihm haben wir auf heute verschoben - und das Mittagessen in der Liana Lodge ist auch schon bestellt. Aber da kann man nichts machen. Die Tiere sind bald einmal geimpft und die Muneli kastriert. Sigi zählt und zählt die Tiere - es fehlen ihm immer ein paar. Nun kommt heraus, dass Victor drei Rinder verkauft hat, die er laut Abmachung nicht verkaufen dürfte. Das ist eine arge Enttäuschung für Sigi :-(. Dieser Tag hat es in sich - und er sollte doch schön werden...
Die ganze Prozedur dauert viel länger, als wir gedacht haben. Wir kommen erst um 12.30 zum Amazoonico zurück und sollten doch um 13 Uhr zum Mittagessen in der Liana Lodge sein. Wir stellen uns schnell unter die Dusche, ziehen uns um und fragen die Lehrer, ob sie zum Essen mitkommen würden, denn was wir bestellt haben, müssen wir sowieso bezahlen. Sie kommen zwar grad von einem ausgedehnten Frühstück im Runahuasi, doch uns zuliebe werfen sie sich schnell in Schale und kommen mit. Das Essen ist gut, die Unterhaltung lustig - und Sigi kann seinen Frust schon ein bisschen vergessen.
Um 15 Uhr fahren wir dann alle zusammen - 19 Personen - nach Ahuano rüber. Teresa, die Administratorin, funktioniert super! Alles ist vorbereitet. Jede Familie darf gleich ihr Zimmer beziehen und die Kinder stürzen sich sofort in den Pool :-). Wir Erwachsenen natürlich auch :-). Eine Stunde lang gehört das Bassin uns. Das ist ein Geschwader und Geplantsche! Dann haben die Alten genug und nur die Kinder bleiben noch drin. Wir legen uns noch ein Stündchen hin, bevor wir zum z'Nacht gehen. Alle geladenen Gäste freuen sich riesig über das wunderbare Buffet. Nach einem Jahr Dschungelleben ist das schon was Aussergewöhnliches! Wie essen und essen - und reden und reden - und jetzt ist Sigi gar nicht mehr unglücklich, dass wir eine fast rein schweizerische Gruppe zusammen haben, denn er kann sich mit allen unterhalten :-). Natürlich haben wir auch noch eine Überraschung bereit. Nachdem alle mehrmals von rechts nach links durchs Buffet gegrast haben, wird das Licht im Speisesaal gelöscht und herein kommt eine Torte mit Kerze :-). Hansjürg (Gitarre) und ich (Waldhorn) spielen "Happy Birthday" und das ganze Hotel singt dazu :-). Dann, solange das Kerzchen noch brennt, singt Hansjürg (von Beruf Operntenor) Sigi eine wunderbare Liebesarie vor. Sigi ist total gerührt - und nach dem Dessert singen ihm noch alle Kinder ein Lied mit guten Wünschen vor. Spät abends plantschen die Kinder wieder im Pool und die Grossen sitzen noch lange in der Bar zusammen. Sigi fand es ein wunderbares Geburtstagsfest!

24. Januar
Der Morgen geht fast nahtlos so weiter wie der Abend aufgehört hat = Die Kinder sind im Pool und die Erwachsenen beim Essen :-). Um elf Uhr verabschieden sich alle und bedanken sich für dieses wunderschöne Ferien-Wochenende. Sigi und ich haben auf 12 Uhr ein Taxi bestellt, das uns in der Punta abholt. Wir wollen heute noch nach Macas fahren um einen Muni zu kaufen.
Die Fahrt dauert vier Stunden, dann sind wir in der Hauptstadt der Provinz Pastaza. Hier ist das Zentrum der ecuadorianischen Charrolais-Zucht. Als erstes suchen wir ein Hotel. Wie in Tena ist es sehr schwierig, ein anmächeliges Zimmer zu finden. Wir entscheiden uns für ein Hostal, in dem die gesamte Hotelanlage sehr schön gestaltet ist, die Zimmer aber sehr dunkel und klein sind. Die Betten sind aber ok und wir wollen ja nur hier schlafen und nicht wohnen.
Um 19 Uhr holt uns unser Chauffeur wieder ab und wir gehen in eine Pizzeria essen. Von da rufen wir den Händler an, den uns Der Tierarzt empfohlen hat. Er heisst Patricio und kommt gleich zum Restaurant um für Morgen abzumachen. In der Nacht schlafen wir schlecht, weil wir wieder einmal viel zu viel gegessen haben.