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(von Madlen Kobi und Simone Oppenheim)
Das erste Schuljahr ist bald zu Ende - Zeit für einen Rückblick auf eine etwas aussergewöhnliche Schule mitten im Regenwald...
Letzten September haben wir mit der Gründerin und Direktorin Christine von Steiger die Schule eröffnet. Wir wussten alle nicht so recht, was uns erwarten würde, da dieses Schulprojekt doch etwas sehr Aussergewöhnliches ist: 14 Kinder (5 Kindergärtner/innen und 9 Schüler/innen) aus der Umgebung werden Deutsch lernen und eine Schule besuchen, die vom schweizerischen Schulsystem geprägt ist. So etwas ist hier in der Umgebung einmalig.
Da alles neu war, mussten wir in allen Bereichen zuerst herausfinden, was für die Schule, für uns Lehrerinnen und für die Schüler am Besten ist. So wurde der Schulalltag von Monat zu Monat strukturierter.
Seit Dezember unterrichten wir den Schülern und Kindergärtnern nun täglich eine Lektion Deutsch mündlich zusammen. Spielerisch bringen wir ihnen die wichtigsten Grundbegriffe und Sätze bei, und wir sind erstaunt, wie schnell sie lernen. Obwohl die Kinder nur in der Schule Deutsch hören, verstehen sie schon ziemlich viel, und manchmal verblüffen sie uns in der Pause mit Sätzen wie ?lch möchte eine Banane" statt?Quiero un banano"! Jan und Silvia, die Kinder von Angelika und Remigio, sind gute Vorbilder, da sie schon Deutsch können, und sie profitieren ihrerseits von den Spanischkenntnissen der anderen Kinder. Ausserdem haben sie viele neue Spielgefährten gefunden.
Da wir uns nicht vorstellen konnten, wie die Schulen sind, aus denen ein paar unserer Schüler kommen, wollten wir natürlich mit eigenen Augen sehen, wie das hier abläuft. So besuchten wir im Januar die beiden Schulen in Ahuano, und vieles wurde uns klarer: In den Schulen hier werden die Antworten meist im Chor gegeben, so dass die schwächeren Schülerinnen von den Stärkeren mitgetragen werden. So waren wir plötzlich nicht mehr so erstaunt, dass einige Schülerinnen in unserer Schule einfach permament nicht mitmachten. Zuvor war das für sie ja nie ein Problem gewesen! In unseren kleinen Schule ist es ein Ziel, auch schwächere Kinder in ihrem Lerntempo zu unterstützen, doch das ist mit ihrem Hintergrund gar nicht so einfach, wie wir gemerkt haben.
Ein anderer Punkt ist, dass hier von den Schülerinnen kaum Selbständigkeit erwartet wird. Zwar ist es selbstverständlich, zu Hause Verantwortung zu übernehmen; die Kinder helfen von klein auf beim Putzen und Waschen, und schon vierjährige Mädchen tragen ihre jüngeren Geschwister mit sich herum und kümmern sich um sie. Doch im Alltag der hiesigen Schulen ist selbständiges Arbeiten nicht üblich. Meistens schreiben die Kinder die Resultate der Mathematikaufgaben von der Tafel ab, anstatt sich zu überlegen, wie das Ergebnis sein könnte.
Die Erkenntnisse dieses Schulbesuches waren für uns sehr hilfreich. Wir haben gemerkt, dass es für die Kinder eine grosse Umstellung ist, die sie nur in kleinen, sorgfältigen Schritten bewältigen können.
Nicht nur die Kinder mussten sich an uns gewöhnen, sondern auch wir haben gemerkt, dass wir flexibel sein müssen. Unsere schweizerisch geprägte Art des Unterrichtens können wir nicht übernehmen, ohne die Kultur hier miteinzubeziehen. Die neuen Lehrpersonen werden diese Arbeit ab August fortsetzen, denn eine Jahr ist nur ein kleiner Schritt im Aufbau einer Schule, die zwischen zwei Kulturen einen Platz finden soll.
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