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28. September 2007 |
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| Der grosse Festtag war angebrochen. Seit 4 Uhr morgens regnete es in Strömen - schlimm, da wir einige Programmteile nur draussen vorführen konnten, die Akrobatiknummer sollte dazu auf trockenem Boden abgehalten werden. Auch verwandelte sich der Boden ums Schulhaus nach und nach in Matsch. Da das Fest aber offiziell erst um 10 Uhr begann, konnten wir etwas länger liegen bleiben und hoffen, dass das Wetter bessert. Wir stärkten uns noch mit einem Haferflöckli-Frühstück, denn bis zum Mittagessen kann es dauern. Wir erwarteten hohen Besuch: Die Prefecta (Regierungschefin) der Provinz Napo will den Kindergarten höchstpersönlich einweihen, und eine Delegation der Erziehungsdirektion wird auch dabei sein. Alles schön und gut - nur ist die Prefecta dafür bekannt, dass sie zwar ihre Anwesenheit zusagt, dann aber nicht erscheint. Das Fest darf aber nicht beginnen, so lange sie nicht da ist. Eine schwierige Situation, vor Allem, wenn da auch noch das Mittagessen auf eine bestimmte Zeit bereit ist. Wir rechneten mit dem Schlimmsten.... Um 8 Uhr erschienen die ersten Eltern um das Fest vorzubereiten. Da musste Feuer gemacht, Gemüse geschnipselt und Hühner gerupft werden. Die Väter setzten noch den Platz in Stand. Der Fahnenmast wurde vorbereitet, was heisst, dass einer der Schüler hochklettern muss um die Fahnenschnur zu befestigen. An einer nassen, metallenen Stange keine einfache Sache! Glücklicherweise hörte dann gegen 10 Uhr der Regen auf. Punkt 10 Uhr erschien die Delegation der Erziehungsdirektion auf dem Platz: Der Erziehungsdirektor persönlich, der Koordinator der Schulinspektoren, die zwei Schulinspektoren unseres Kreises und die Kindergarteninspektorin. Von der Prefecta natürlich keine Spur. Um die Zeit zu überbrücken machte Olivia mit ihnen eine Zoo-Tour. Eine Stunde später waren sie wieder zurück und ich unterhielt mich mit dem ED-Direktor. Er war sehr interessiert an unserer Berufsbildung in der Schweiz. Ich erklärte ihm das System mit den Lehren ohne Studium, ohne aber bereits auf unser neues Projekt einzugehen. Er erklärte mir, dass er genau so etwas in unserer Region aufziehen wolle, aber im Moment noch auf taube Ohren stiesse. Man kann hier einfach keinen Beruf erlernen, ohne vorher die Matura gemacht zu haben. Damit aber jeder die Matura machen kann, ist das Niveau dazu bedenklich tief, so, dass so ein Ausweis auch keinen Wert mehr hat. Er war von unseren Schweizer System (20% Matura mit anschliessendem Studium, 80% Berufslehre) begeistert. Wir warteten und warteten, aber die Prefecta erschien nicht. Auch die Herren der ED hielten es für unwahrscheinlich, dass sie hierher kommen würde. Ich beschloss, das Fest spätestens um 12.30 zu eröffnen, Prefecta hin oder her. Natürlich kam sie nicht. Um 12.30 begann das Fest, indem Jorge die Traktandenpunkte verlas. Auch das etwas improvisiert, da Jaime, der das eigentlich tun sollte, am Puerto Barantilla auf die Prefecta wartete.... Der erste Programmpunkt war das Singen der Nationalhymne und der Aufzug der ecuadorianischen und der Schweizer Fahne. Die Kinder taten das mit Inbrunst. Wir fünf Schweizer konnten natürlich nur bei unserer Hymne mitsingen, das dann aber sehr laut und sehr schön :-). Darauf folgte noch ein Willkommensgesang der SYH-Kinder, der das Publikum immer wieder begeistert, denn unsere Kinder singen wirklich sehr gut! Nach kurzen Willkommensworten von Remigio als Chef des ganzen Projektes Selva Viva, durfte ich meine lange Rede halten. Für die Kinder etwas zuviel, aber für die Eltern interessant und vor allem die ED-Leute waren sehr angetan. Meine Frage nach Unterstützung und Anerkennung unseres neuen Ausbildungskonzepts durch die zuständigen Behörden wurde nachfolgend vom Erziehungsdirektor sehr gerne bewilligt. Mit unserer Schule als Pilotprojekt ist er fein raus. Er kann ein Argumentarium zusammenstellen, das nicht nur theoretisch ist, aber es kostet ihn keinen Cent Steuergelder, so dass ihm niemand einen Strick draus drehen kann, wenn etwas schief läuft. Einer der Schulinspektoren dankte mir ausdrücklich für meine Rede und meinte, es tue gut, die eigenen Ideen einmal aus anderem Munde vertreten zu hören. Wir könnten mit ihrer Unterstützung bis ins Letzte rechnen. Eigentlich wäre dann die Rede der Prefecta dran gewesen, doch die war eben nicht da.... Da Jaime auch noch nicht zurück war, entschlossen wir uns, doch noch eine halbe Stunde auf die Dame zu warten und den Apero der Einweihung vorzuziehen. Sollte sie aber bis 14 Uhr nicht erscheinen, so würde die Kindergarteninspektorin die Einweihung vornehmen. Kaum war der Champagner ausgeschenkt, kam die Prefecta daher - mit grossem Tross aus Begleitern, Fotografen und einem Kameramann. Wir stellten also alle unsere Gläser wieder hin - und konnten programmgemäss den Kindergarten einweihen - mit einer schönen Rede der Prefecta und dann dem Durchschneiden des Bandes. Nach dem nun folgenden Apero konnten unsere Schüler dem Publikum das lange trainierte Showprogramm vorführen. Den Anfang machte der Kindergarten mit Gesang, es folgten die Grossen mit einem traditionellen Kichwa-Tanz. Die Unterstufe hatte ein rassiges Programm mit Teller-Jonglieren und verschiedenen Pyramiden einstudiert. Zum Glück war der Boden fast wieder trocken, so dass die Akrobatennummer der Grossen auch stattfinden konnte. Den Abschluss machten ein Zaubertrick und eine kleine Voltigenummer der Viertklässler (die die Direktorin in ihren schönen Kleidern höchstpersönlich leitete). Wie immer war das Publikum begeistert, denn unsere Vorführungen unterscheiden sich schon sehr von den hier üblichen Produktionen. Kaum war das Programm zu Ende, schon war das Essen bereit. Kinder und Eltern assen beim Kindergartenhaus, die Burgisteiner Schüler und alle wichtigen Leute assen beim Schulhaus am VIP-Tisch. Das Essen war sehr gut, wenn auch vom Handling her etwas gewöhnungsbedürftig. Es gab das traditionelle Huhn in Suppe, wobei es sich glücklicherweise um ziemlich jung Hühner handelte ;-). Zur Hauptspeise wurde Maito mit Reis gereicht. Das ist der beste Speisefisch, der hier in den Gewässern vorkommt, gewürzt und in ein Bananenblatt eingepackt in glühender Kohle gegart. Nach dem Essen verabschiedete sich die Prefecta (die selten so lange an einem Fest bleibt!) und im Schulzimmer wurde eine Stereoanlage aufgebaut. Ab 16 Uhr wurde getanzt. Bei Dunkelheitseinbruch gingen wir nachhause, aber das Fest der Indianer dauerte fort bis in die frühen Morgenstunden. |
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